Gerichte und ihre Geschichte

Wir wissen viel über die amerikanische Urbevölkerung, wir wissen über ihre Lebensweise, über ihre Kriege und ihren "Untergang" sehr viel. Wissen wir aber auch, was die Indianer gekocht haben? Ich denke, nur begrenzt wissen wir das und sind uns nicht bewusst, welch gute Produkte wir von ihnen übernommen haben. Ich habe mich in der Literatur etwas umgesehen und möchte Euch einen kleinen Rundgang aus Büchern aufschreiben / entlehnt aus folgenden Werken: "Indianisch Kochen - Gerichte und ihre Geschichten" von Brigitte und Elmar Engel und "Native Food - Die Küche der Indianer Nordamerikas" von Beverly Cox und Martin Jacobs.
 
Geräucherter Bärenschinken, gesottene Büffelzungen, würziges Hirschragout und saftige Elchsteaks mit wilden Zwiebeln und Knoblauch, zubereitet am lodernden Lagerfeuer, das sind die kulinarischen Freuden der Indianer in unserer Vorstellung. Die Wirklichkeit löste nur selten ein, was die üppige Fantasie populärer Schriftsteller uns vorgaukelt. Es gab Regionen und Jahreszeiten, in denen die Indianer von den Gaben der Natur schier überschüttet wurden, von einem reichen Angebot an Beeren, Wild oder Meeresfrüchten. Es gab aber auch Zeiten des Hungers und der Entbehrung, vor allem hoch im Norden Amerikas.
 
Zitat: " Manchmal hatten wir viel zu viel zu essen, häufiger viel zu wenig und sehr selten gerade genug."
 

 

Ich möchte Euch allerdings nur ein Gebiet, Allegras indianische Heimat, vorstellen, das Gebiet der Prärien.
 
                                     
                                 
In der Prärie: Tatonka, der "Freund des Menschen"
 
Wie waren die Verhältnisse im Grasmeer westlich des Mississippi, unter dem weiten Himmel der unendlichen Prärien, in der Heimat der Sioux, Crow, Cheyenne, Kiowa oder Comanchen? Wirkliche Jäger, so wie wir sie hoch zu Ross kennen, wurden sie erst, nachdem die Spanier den "Grossen Geisterhund" mitgebracht hatten. Davor war es recht mühsam und nicht sehr erfolgreich, in dem offenen, ebenen Gelände mit geringen Deckungsmöglichkeiten und wenig wirkungsvollen Waffen die mächtigen Bisons zu beschleichen, in Corrals zu treiben oder in Panik zu versetzen, damit sie sich über steile, in der Prärie ohnehin seltene Klippen stürzten.
 
Der Bison wurde vollständig verwertet
 
Hatte eine Sippe eines oder gar mehrere der Tiere gejagt, verwerteten sie es mit Haut und Knochen. Sie nutzten praktisch alles: das Fleisch als Nahrung, das Fell für Behausung und Kleidung, die Knochen als Werkzeuge, die Hufe zur Gewinnung von Leim, die Sehnen als Garn, die Hörner als Gefässe, die Schädel als religiöse Symbole, die Zähne als Schmucksteine. Das Fleisch, das sie nicht frisch essen konnten schnitten sie in schmale Streifen, trockneten es an der Luft und gelegentlich über niedrig schwelenden Feuern, durch die es einen rauchigen Geschmack erhielt und gegen die allgegenwärtige Fliegenpest geschützt war. So stellten sie das so genannte "jerky" her, das sie später zerrieben und zerstiessen für die Zubereitung von "pemmican". Sie würzten es mit Beeren, wilden Kräutern, mitunter mit Salz. Wenn sie nichts anderes hatten, versuchten sie mit der Beimischung von Holzkohle dem Fleisch ein bisschen Geschmack zu geben.
                                                         
Die Plains Indianer, die ursprünglichen Bewohner der Staaten Montana, Nebraska, der beiden Dakotas, der kanadischen Prärien waren so abhängig von den Tatonka, dass ihre Lebensform als "Bison-Kultur" in die Geschichte einging. Sie ehrten den Tatonka als Freunde und Geschenk des Wakantanka, darum veranstalteten sie grosse Zeremonien und Rituale. Die Notwendigkeit ihre Freunde töten zu müssen, um selbst überleben zu können, erklärten sie mit verblüffender Logik:
"Wer einen Feind tötet, ist ein grosser Krieger. Wer jedoch einen Freund zu töten vermag, ist ein grosser Held".
           
 
Die Prärie Völker kochten in mit Fell ausgelegten Erdgruben, sofern sie Steine fanden, Töpfe, wie wir sie kennen waren selten bei den nomadischen Völkern zu finden. Als Brennstoff dienten in der Baum- und holz losen Prärie trockene Buffalo Chips, Büffeldung. Wenn sie einen Büffel erlegt hatten nahmen sie den Büffelpansen und hängten ihn mit Inhalt an einem Dreibein über ein glosendes Feuer und erwärmten so die Flüssigkeit. Manchmal füllten sie ihn auch mit Wasser und Fleisch und legten vorsichtig heiße Steine hinein, um den Vorgang zu intensivieren und zu beschleunigen. Diese Methode hatte den Vorzug, dass man den "Kochtopf" als Nachtisch verzehren konnte.
 
                                             
 
In den warmen Jahreszeiten kochten, oft zwei Familien an einer Feuerstelle, die Indianer im Freien. Im Winter zog die ganze Sippe in eines der tief eingekerbten Flusstäler, in denen sie Holz, Wasser und Schutz vor heulendem Wind fanden. Dort wurden die Fellsäcke mit dem jerky und pemmican geöffnet und das Trockenfleisch hervorgeholt.
 
Gastfreundschaft: Festgelegte Essenszeiten gab es grundsätzlich nicht. Jeder und jede bediente sich nach Gusto, solange der Vorrat reichte. Wenn ein Gast, bekannt oder unbekannt, erwartet oder unerwartet, auftauchte, wurde das Beste hervorgeholt, was die Küche zu bieten hatte.
                                                             
                                                           
                               Dies ist das Bild einer "Indianerin" aus Fort No.4 in New Hampshire
 
 
Schmorbraten in Erdgruben: Zu besonderen Gelegenheiten legten die Frauen das Fleisch in grössere, mit Fellen ausgeschlagene Erdgruben-> zuerst eine Lage heiße Steine, dann eine Lage Huflattich oder ähnliche Blätter, darauf eine Lage Fleisch und eine weitere Lage Blätter, erneut Steine, Blätter, Fleisch und so fort. Schließlich wurde die Grube mit Fellen und zuletzt mit Erde sorgsam abgedeckt und für ein paar Stunden ihrem Schicksal überlassen.
 
 
Ohne Pferde war die Jagd zu aufwändig und zu wenig Erfolg versprechend, da verwundert es nicht, dass das spätere Jäger- und Kriegsvolk der Cheyenne ursprünglich in den Tälern der Missouri-Nebenflüsse bescheidenen Ackerbau betrieb; dass die Sioux erst lange nach der Ankunft der Spanier das schützende Waldland im heutigen Minnesota verließen; dass die wilden, gefürchteten Comanchen erst sehr spät in die Gebirgstälern der Rocky Mountains aufbrachen und die südlichen Ebenen überfluteten.
 
 
                                                                     
 
 
 
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